Der ultimative Guide zu handschriftlichen Notizen auf Windows
Werfen wir einen Blick auf alles, das für handschriftliche Notizen auf Windows wichtig ist!
Einleitung
Digitale handschriftliche Notizen auf Windows sind oft ein Aufeinandertreffen von hohen Erwartungen mit einer ernüchternden Realität. Man kauft sich ein 1.500€ 2-in-1 Laptop oder ein professionelles Wacom-Tablet und erwartet sich ein Schreibgefühl, das Stift und Papier sogar übertreffen sollte. Doch dann kämpft man mit hoher Latenz beim Schreiben, überfüllten Benutzeroberflächen und dem Gefühl, dass einfach etwas fehlt.
Das ‘perfekte’ Setup für handschriftliche Notizen auf Windows umfasst mehr, als einfach ein Programm herunterzuladen. Das ist ein breitgefächertes Thema und beinhaltet Entscheidungen über Hardware, Software und deine eigene Arbeitsphilosophie. Als Studentin, die zum Beispiel Funktionen für Ingenieurwissenschaften zeichnen muss, hast du diametral unterschiedliche Arbeitsweisen im Vergleich zu einem Manager, der täglich Meetings und strategische Entscheidungen zu treffen hat.
Das Ziel von diesem Guide ist es, diese Variablen aufzuschlüsseln. Ich arbeite bereits jahrelang mit digitalen handschriftlichen Notizen und habe sogar eine erfolgreiche Applikation dafür entwickelt. Mit diesem Hintergrund teile ich gerne meine Perspektiven und Erfahrungen zu diesem Thema. Ich analysiere in diesem Blog die Voraussetzungen für ein gutes Setup für handschriftliche Notizen auf Windows. Nach diesem Blog wirst du das breite Angebot an Hardware- und Softwareoptionen besser einordnen können und mit Sicherheit bessere Entscheidungen treffen! Ich beleuchte im Folgenden diese Themen:
- Handschriftliche Notizen und dein Gehirn: Warum Handschrift besser ist, als tippen.
- Technische Vorteile von digitaler Handschrift: Wie die Fusion von Technologie mit Stift und Papier neue und bessere Wege für Notizen bereitet.
- Anwendungsfelder für handschriftliche Notizen: Welche Aufgaben das Potenzial von handschriftlichen Notizen voll ausschöpfen.
- Hardware-Optionen: Wie dein Eingabegerät dein Notizerlebnis beeinflusst.
- Was eine gute Notiz-App ausmacht: Der Königsmacher für handschriftliche Notizen.
Nachdem du diesen Blog gelesen hast, hast du nicht einfach nur eine Liste von gängigen Notizapplikationen. Ich möchte dir ein Entscheidungs-Rahmenwerk mitgeben, mit dem du in der Lage bist, die richtige Hardware und Software für deine akademischen und professionellen Ziele auszusuchen.
Handschriftliche Notizen und dein Gehirn
Es ist leicht anzunehmen, dass Tippen dem Handschreiben überlegen ist — es geht ja schließlich schneller. Doch die Wissenschaft zeichnet ein anderes Bild: Es heißt Effizienz-Retention-Paradox. Eine Tastatur erlaubt es dir, Gesprochenes nahezu wortwörtlich zu transkribieren — und genau das ist das Problem. Beim Tippen schaltet dein Gehirn in einen passiven Modus um, in dem Informationen kritische Filter einfach umgehen. Diese kritischen Filter sind aber fundamental für das Lernen und das Abspeichern von Wissen im Langzeitgedächtnis. Handschriftliches Schreiben erzeugt eine erwünschte Schwierigkeit 1.
Weil du nicht so schnell mit der Hand schreiben kannst, wie jemand spricht oder du denkst, ist dein Gehirn dazu gezwungen, aktiv zu werden: Es fasst zusammen, paraphrasiert und verknüpft Informationen parallel zu dem ursprünglichen Reiz — das nennt sich generatives Verarbeiten 2. Dieser kognitive Engpass wirkt wie ein Filter, der sicherstellt, dass du Informationen nicht nur seicht von deinem Gehörsinn in deine Fingermotorik überträgst, sondern sie tatsächlich in dein Langzeitgedächtnis einwebst 3.
Doch Handschreiben ist mehr als einfach nur “mehr zu denken” — es löst eine ziemlich faszinierende neurobiologische Kettenreaktion aus. Jeder Buchstabe, den du zu Papier bringst, hinterlässt ein eigenes motorisches Engramm (eine Gedächtnisspur), aktiviert den motorischen Homunkulus — ein großer Bereich deines Gehirns, der für Handbewegungen zuständig ist — und stimuliert das Retikuläre Aktivierungssystem (RAS), das dich aufnahmefähig hält 4. EEG-Studien zeigen, dass das Schreiben per Hand synchronisierte Theta-Wellen erzeugt — die neuronale Signatur für tiefe Gedächtnisbildung. All das lässt du beim monotonen Tippen auf einer Tastatur vollkommen aus 5.
Also, einen Stift in die Hand zu nehmen, ist keine Hommage an klassische Arbeitsweisen. Es ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, die dein Gehirn optimal auf komplexes Denken und langfristige Wissenserhaltung einstellt.
Technische Vorteile von digitaler Handschrift
Der Aufstieg von PCs und ihrer vorherrschenden Eingabemethode, der Tastatur, hat uns zu dem Glauben verleitet, dass unsere Gedanken aus Buchstaben, Wörtern und Absätzen bestehen müssen, wenn wir sie digitalisieren wollen. Das ist falsch, denn genau diese Restriktion heben digitale handschriftliche Notizen wieder auf. Du hast wieder volle Kontrolle über Struktur, Komposition und die Elemente, die du für deine Notizen verwenden möchtest. Glaube aber nicht, dass digitale handschriftliche Notizen mit Stift und Papier gleichzusetzen sind, denn im digitalen Raum finden wir unbestreitbare Vorteile und ‘Superkräfte’, die uns auf der analogen Oberfläche fehlen. Diese sind die einflussreichsten Weiterentwicklungen:
Bearbeitung von Notizen
Das Bearbeiten und Abändern von dem bereits Geschriebenen ist zentraler Bestandteil im Notizprozess. Notizen sind selten final, weil die Gedanken, die diese Notizen darstellen, sich selbst andauernd wandeln und weiterentwickeln. Das macht es nötig, Sachen, die man bereits aufgeschrieben hat, abzuändern. Egal ob das heißt, ganze Abschnitte zu löschen, die Farbe von Text zu ändern oder die ganze Seite neu zu organisieren. All diese Tätigkeiten sind wichtig, damit deine Notizen akkurat die Gedankenstruktur in deinem Kopf abbilden.
Und mit digitalen Notizen ist das möglich! Du kannst Texte frei verschieben, umfärben, was auch immer du möchtest, und die Größe von jeglichen Elementen willkürlich abändern.
Exakte Formen und Symbole
Handschriftlicher Text muss oft mit Symbolen oder Formen ergänzt werden, damit beschriebene Konzepte und die Beziehung zwischen Elementen besser erkenntlich werden. Vor deinem geistigen Auge hast du ein klares Bild davon, wie zum Beispiel ein mathematisches Summenzeichen ( ∑ ) oder ein Rechteck mit geraden Linien und 90°-Winkeln auszusehen hat. Aber um diese Zeichen und Formen präzise auf einem Papier zu zeichnen, kommst du nicht um ein Lineal herum. Das ist im digitalen Raum eben nicht mehr der Fall, denn du kannst all diese Elemente blitzschnell in deine Notizen einfließen lassen. Und das, während sie besser aussehen, als du sie je gezeichnet hättest.
Die Fähigkeit, ‘perfekte’ Formen und Symbole zu zeichnen, hilft dir also dabei, die Vision deiner Notizen schneller als je zuvor auf dein (digitales) Blatt Papier zu bringen. Das spart dir Zeit und Energie, die besser beim Denken über das eigentliche Thema aufgehoben sind.
Archivierung
Warum solltest du dir Mühe mit Notizen geben, wenn das Blatt Papier, auf dem sie geschrieben sind, ständig Gefahr läuft unter hunderten anderen Blättern unterzugehen oder durch einen ausgeschütteten Kaffee oder ein Feuer zerstört zu werden? Es ist auch ziemlich anstrengend, spezifische Textteile auf analogen Notizen zu finden, aber manchmal kommt man eben nach langer Zeit zurück zu seinen alten Heften und sucht genau dieses eine spezifische Stück Information. Viel Spaß. Entweder du findest nicht, wonach du suchst, oder es benötigt substanziell Zeit und Energie, etliche Seiten zu durchforsten. All diese Problemfelder werden gelöst, wenn du von analogen Notizen auf digitale wechselst.
Das Archivieren ist einfacher, weil du deinen Notizbüchern Namen geben kannst und sie willkürlich innerhalb von Ordnern organisieren kannst, die du in Sekunden erstellt oder gelöscht hast. Das Risiko, Notizen zu verlieren, ist immens reduziert, weil du verteilte Sicherheitskopien auf Festplatten oder in der Cloud erstellen kannst. Und die Mammutaufgabe, spezifische Textabschnitte in einem Stapel an Text zu finden, wird auf ein paar Klicks reduziert. Wir leben ja im Zeitalter von OCR und KI-Texterkennung.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Bearbeiten, exaktes Zeichnen und das Archivieren zentrale Bestandteile vom Arbeiten mit Notizen sind. Das alles ist aber unmöglich oder wahnsinnig aufwendig auf physischem Papier. Digitale handschriftliche Notizen erlauben es dir, deine Gedanken präzise auf eine Zeichenfläche zu projizieren und lassen es zu, dass sich deine Notizen parallel zu deinen Gedanken weiterentwickeln. Und all das während deine Notizen stets nur einen Klick entfernt sind.
Anwendungsfälle für digitale handschriftliche Notizen
Grundsätzlich ist das ein sehr breites Thema. Du könntest ja für alles handschriftliche Notizen machen, wenn du wolltest. Aber für welche Aufgaben ist diese spezielle Art, Notizen zu machen, wirklich die beste?
Digitale handschriftliche Notizen sind am besten für Aufgaben geeignet, die nicht-linear sind, komplexe Zusammenhänge zwischen Informationen beinhalten und archiviert und abrufbar sein müssen.
Es gibt Aufgaben, auf die diese Beschreibung außerordentlich gut zutrifft. Und die Menschen, die diese Aufgaben täglich erledigen, findet man überall – von der Schule bis ins Top-Management von Konzernen. Hier ein paar Beispiele:
Lernen und Studieren
Das ist offensichtlich. Lernen und Studieren ist so ziemlich das Gegenteil von linear und definiert sich durch die Neuartigkeit und Komplexität der Informationen, die du verdauen musst. Dazu kommt: Was gelernt wurde, kann auch wieder vergessen werden. Wenn du deine mentalen “Checkpoints” also gut zugänglich abspeicherst, wird dein zukünftiges Ich dir dafür danken. Hier spreche ich aus Erfahrung.
Strategisches Denken
Der Kern von strategischem Denken ist es, in komplexen Systemen Beziehungen zu erkennen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Und es ist nicht nur das Ergebnis einer strategischen Entscheidungsfindung wichtig, sondern auch der Weg dahin muss nachvollziehbar dokumentiert sein – das ist wichtige Information. Hier muss man zugestehen, dass es Probleme gibt, die sich auf einer zweidimensionalen Zeichenfläche nicht mehr lösen lassen. Aber wenn du mit dieser Art von Problemen konfrontiert bist, würde ich dir eher empfehlen, ein Buch über Komplexitätstheorie zu lesen und deine Mathe-Skills wieder aufzufrischen.
Journaling
Unterschätze nicht die Macht von Journaling. Das ist ein wertvolles Werkzeug für Selbstreflexion, Psychoregulation und persönliche Weiterentwicklung. Es ist entscheidend, dass du es handschriftlich machst, weil es dein Gehirn dazu zwingt, Gedanken zu verarbeiten, zu verdichten und auf eine Zeichenfläche zu projizieren. Das wirkt Wunder – und sollte gut aufbewahrt und regelmäßig wiederholt werden.
Meeting-Notizen
Es gibt Meetings, bei denen du definitiv keine Notizen brauchst. Aber die besten Meetings sind die, in denen du mit neuen Ideen, Lösungen für hartnäckige Probleme oder unkonventionellen Innovationen überrumpelt wirst. Diese Art von Informationen muss zuerst festgehalten und später nochmal aufgegriffen und verfeinert werden, damit sie ihren wahren Wert entfalten kann. Perfekter Use-Case für digitale handschriftliche Notizen!
Brainstorming
Nichts passt besser auf die obige Beschreibung als Brainstorming! Ein Feuerwerk an Gedanken und Ideen, die erst einmal niedergeschrieben werden, nur um später sortiert und eingeordnet zu werden – das ist eine ideale Aufgabe für handschriftliche Notizen. Außerdem enthalten Brainstorming-Sessions oftmals Ideen, die im Moment nicht anwendbar sind, aber es wert sind, für die Zukunft aufgehoben zu werden.
Aufbau einer Wissensbank
Wenn du Notizen aus all den gerade genannten Aufgaben kombinierst und sie in eine sortierte und thematisch organisierte digitale Bibliothek einordnest, werden plötzlich viele einzelne Notizen zu einem großen Ganzen mit immensem Wert. Du hast dir dann deine eigene Wissensbank geschaffen, in der du alles findest, was dir einmal wichtig war oder noch immer ist. Das ist heute schon mächtig, wenn du es wie ein persönliches Lexikon zum Nachschlagen behandelst – aber wer weiß, was KI-Assistenten eines Tages aus diesem Berg an hochpersonalisierten und strukturierten Daten machen können?
Hardware-Optionen
Gut, jetzt verstehen wir, warum wir handschriftliche Notizen machen sollten und auch, für welche Aufgaben wir sie am besten einsetzen. Damit kann die nächste Frage beantwortet werden: Auf welcher physischen Oberfläche schreiben wir am besten und welchen Stylus (digitalen Stift) halten wir dabei in der Hand?
2-in-1 Laptops vs. externe Zeichenpads
Es gibt zwei Arten, dein Stift-Input zu digitalisieren. Entweder du arbeitest mit einem Touchscreen und Stylus, die Microsoft Pen Protocol (MPP) unterstützen, oder du zeichnest auf einem externen Zeichenpad, das mit deinem PC oder Laptop verbunden ist. Schauen wir uns diese beiden Optionen genauer an, denn beide bringen ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich, denen du dir bewusst sein solltest.
2-in-1 Laptops
Auch Convertibles genannt, haben 2-in-1 Laptops einen Touchscreen und oftmals einen Klappmechanismus, um die Tastatur beiseite zu falten. Für handschriftliche Notizen ist der Touchscreen das mit Abstand wichtigste Bauteil eines Convertible-Laptops. Und die Qualität variiert stark. Wenn du während einer stressigen Vorlesung gerade so zurechtkommst und plötzlich dein Touchscreen beginnt herumzuzoomen, weil er deinen Handballen als Zoom-Geste interpretiert, wird es dich zurecht in den Wahnsinn treiben… und das ist nicht unüblich.
Touchscreen
Aber besonders die Handballenerkennung kann man einfach mit der richtigen Hardware umgehen: Bei modernen Laptops wird dieses Thema durch das Microsoft Pen Protocol (MPP) gelöst. Es regelt die Kommunikation zwischen deinem Laptop und deinem Stylus – aber dazu gleich noch mehr. Wenn du nach 2-in-1 Geräten suchst, achte einfach auf Unterstützung von MPP 2.0 oder höher. Die Touch-Interaktion selbst ist ein weiteres wichtiges Thema. Mit der richtigen Software wirst du dich dabei ertappen, wie du Elemente verschiebst, auswählst, skalierst und zoomst – alles mit einfachen Touch-Gesten. Ein präziser und hochwertiger Touchscreen ist deswegen für die Stift- und für die Touch-Interaktion fundamental.
Ich kann dir keinen umfassenden Vergleich zwischen Touchscreens verschiedener Laptop-Modelle und Hersteller anbieten, aber ich kann dir sagen, dass die Microsoft Surface-Reihe aus meiner Sicht die hochwertigsten Touchscreens verbaut. Ich liebe es, auf meinem Surface Laptop Studio zu arbeiten.
Stylus
Schauen wir uns jetzt den Stylus an. Zunächst gibt es den Unterschied zwischen aktiven und passiven Stylus. Aktive Stifte haben elektronische Komponenten verbaut, die Signale an den Laptop senden. Dazu gehören Druckstufen, Neigungswinkel, die genaue Position auf oder über dem Bildschirm und Signale von Shortcut-Buttons (genau das ermöglicht MPP).
Ein passiver Stylus hat keine elektronischen Bauteile und ist im Grunde eine Gummispitze, die vom Touchscreen als Finger interpretiert wird. Passive Stifte sind für Notizen eher ungeeignet. Für anständige Notizen möchtest du präzise schreiben, durch Shortcut-Buttons deinen Workflow beschleunigen und mit Druckempfindlichkeit Schreiben – dafür brauchst du einen aktiven Stylus.
Leider kann ich dir auch hier keinen fundierten Vergleich zwischen Herstellern und Modellen aktiver Stifte geben, aber auch hier kann ich dir sagen, dass ich jahrelang zufrieden mit Microsoft-Produkten gearbeitet habe. Solange der Stylus MPP 2.0 unterstützt, bleibt die Wahl aber deiner persönlichen Einschätzung überlassen.
Um zusammenzufassen: Es ist kompliziert. Kein Review der Welt wird es dir ersparen, in ein Geschäft zu gehen und das Schreibgefühl und die Haptik verschiedener Geräte einfach auszuprobieren. Aber du solltest im Hinterkopf behalten: MPP 2.0 ist das absolute Minimum.
Externe Zeichenpads
Externe Zeichenpads von Herstellern wie Wacom® und Huion® erlauben es dir, ein Tablet per USB oder Bluetooth mit deinem PC oder Laptop zu verbinden, das dann Eingaben von einem herstellereigenen Stylus entgegennimmt. Diese Hardware ist toll, besonders wenn du einfach dein Desktop-PC-Setup aufrüsten möchtest, aber sie kann umständlich werden, wenn du Notizen unterwegs machen möchtest. Eine wichtige Variable bei externen Tablets für handschriftliche Notizen ist, ob du ein eingebautes Display hast oder nur eine Oberfläche, die deinen Stylus erkennt und die Eingabe auf deinen normalen Bildschirm projiziert.
Eingebautes Display
Ich persönlich finde, dass das Notizerlebnis deutlich besser ist, wenn du die Tinte direkt an der Spitze deines Stifts erscheinen siehst. Die Koordination zwischen Augen und Hand ist viel einfacher, wenn du den Stift direkt auf den Bildschirm setzen kannst, auf dem du zeichnest, anstatt in deinem peripheren Sichtfeld herumzukritzeln, während du auf den Bildschirm vor dir starrst.
Touch-Support
Was Touch-Support angeht: Einige Modelle haben zwar einen Touchscreen, aber die Latenz und “Snappyness” hinken Laptop-Touchscreens deutlich hinterher. Das wird dich stören, weil Dinge auf dem Bildschirm einfach nicht so schnell passieren, wie du es gerne hättest. Und das ist besonders bei stundenlangen Lernsessions oder hektischen Meetings sehr mühsam.
Shortcuts und Textur
Aber genau wie die meisten aktiven Stifte für Touchscreens, kommen auch die Stifte für Zeichenpads meistens mit Shortcut-Buttons. Manche Zeichenpads haben sogar programmierbare Knöpfe im Pad verbaut. Ein weiteres Thema ist die Oberflächentextur deiner Zeichenoberfläche. Zeichenpads haben in der Regel rauere Texturen, was angenehmer ist als Glas. Die Reibung gibt dir ein natürliches haptisches Feedback, das sich einfach mehr nach Papier anfühlt.
Also, was ist besser?
Grundsätzlich haben 2-in-1 Laptops und externe Zeichenpads gleichermaßen Vorteile und Nachteile. In beiden Fällen ist es grundsätzlich deutlich angenehmer, auf den Bildschirm zu schauen, auf dem du auch zeichnest. Zeichenpads sind ein gutes Upgrade für ein bestehendes Setup, haben eine texturierte Zeichenoberfläche und bieten oftmals integrierte Shortcut-Buttons. Allerdings sind sie ein eigenständiges Gerät, das du überall hin mittragen musst.
2-in-1 Laptops sind effizient, weil sie, wie der Name schon sagt, eine All-in-One-Lösung sind. Du kannst an einem Text arbeiten oder eine E-Mail schreiben und Momente später mit einem Stylus in der Hand handschriftliche Notizen machen – egal wo du bist. Diese Flexibilität schafft einen ziemlich einzigartigen Workflow. Allerdings kann die Touchscreenqualität eines Convertible-Laptops dein Notizerlebnis genau so gut ruinieren, wie beflügeln.
Worauf es letzten Endes ankommt, ist aus meiner Sicht die Touch-Interaktion mit dem Gerät. Und genau deshalb würde ich einen 2-in-1 Laptop vor einem externen Zeichenpad empfehlen. Schnelle Touch-Interaktionen sind in stressigen Situationen wie einer Vorlesung oder einem Meeting entscheidend und lassen das gesamte Gerät zu mehr als nur einer Zeichenfläche werden. Der Bildschirm vor dir wird zu einer sichtbaren Erweiterung deiner Gedankenwelt, weil du jede Idee sofort und ohne Verzögerung umsetzen kannst. Das ist, was du von deinem Gerät erwarten solltest. Dass es mit dir funktioniert.
Was eine gute Notiz-App ausmacht
Jetzt sind wir beim wichtigsten Teil unserer Reise angekommen. Er entscheidet darüber, ob sich die Gedanken, die du in deine Hardware gesteckt hast, auch wirklich in ein reibungsloses Notizerlebnis übersetzen. Die App, die du verwendest, hat enormen Einfluss auf deinen Workflow und deine Möglichkeiten beim Notizenmachen. Wenn der App Funktionen fehlen, schränkt sie dich ein. Wenn sie chaotisch designt ist, stört sie deinen Fokus. Wenn sie langsam ist, fühlst du dich gebremst und wirst von der eigentlichen Aufgabe abgehalten. In gewisser Weise ist die Applikation, die du für deine handschriftlichen Notizen verwendest, entweder dein bester Freund oder dein größter Feind. Aber welche Faktoren entscheiden, auf welcher Seite des Spektrums eine App sich für dich befindet?
Die Grundlagen
Zuallererst, bevor wir über Themen wie Cloud-Synchronisierung oder KI-Notizanalyse nachdenken: Die App MUSS dir das Schreiben mit niedriger Latenz und ohne Verzögerungen ermöglichen. Einen Strich zu ziehen muss sich flüssig, natürlich und leicht anfühlen. Das ist das grundlegendste Input in einer handschriftlichen Notiz-App und muss kompromisslos funktionieren.
Software-Architektur
Idealerweise ist die App, die du verwendest, eine native Windows-Applikation. Das bedeutet, dass die App speziell für das Windows-Betriebssystem entwickelt wurde und die volle Leistung deines Geräts ausschöpft. Das weniger optimierte Gegenstück dazu ist ein sogenannter Web-Wrapper. Das ist im Grunde eine Browser-Applikation, die eine normale Applikation zu sein scheint. Aber Web-Apps fühlen sich recht langsam und stotternd an, verbrauchen übermäßig viel Arbeitsspeicher (= weniger Akkulaufzeit) und haben Probleme mit Offline-Verfügbarkeit von Notizen. Der Vergleich zwischen Web-Wrapper und einer nativen Windows-Applikation ist wie der Vergleich zwischen einem Tretboot und einem Rennauto - recht eindeutig. Es gibt Applikationen, die speziell für Windows entwickelt sind, und die solltest du auch nutzen.
Um den Unterschied zwischen einem Web-Wrapper und einer nativen Windows-Applikation zu spüren, kannst du Goodnotes (bester Web-Wrapper) und Noteastic (native Windows-App) nebeneinander öffnen und ein wenig herumspielen. Du wirst verstehen, was ich meine.
Aber jetzt schauen wir uns an, welche Werkzeuge dir deine handschriftliche Notiz-App bieten sollte!
Zeichen-Werkzeuge
Der grundlegendste Aspekt, auf den du bei einer Notizapp achten solltest, ist die Auswahl an Zeichen-Werkzeugen. Auch wenn das untrennbar mit deiner individuellen Art, Notizen zu machen, verbunden ist, gibt es aus meiner Sicht ein paar Mindestanforderungen. Du solltest diese Liste an Werkzeugen abhaken können: Stift, Textmarker, Radierer, Linien & Pfeile, Formen, Lasso.
Diese Werkzeuge müssen einwandfrei funktionieren. Gib dich nicht leicht zufrieden, wenn du verschiedene Applikationen testest. Du wirst viel Zeit in deiner Notiz-App verbringen, also solltest du bei diesen grundlegenden Funktionen keine Kompromisse eingehen. Und selbst wenn du überzeugt bist, dass du manche dieser Werkzeuge nicht brauchen wirst, kann ich dir versprechen, dass du sie irgendwann benötigen wirst. Außerdem wird sich dein Notizverhalten gegenüber dem, was du von Papier gewohnt warst, verändern, eben WEIL zusätzliche Werkzeuge Dinge wie Formen und das Zeichnen von geraden Linien einfacher machen. Ich möchte dir die Frustration ersparen, nach hunderten Notizen und Einträgen festzustellen, dass du dich für eine schlecht ausgestattete App entschieden hast.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, ob du für all diese Werkzeuge frei Farben und Strichstärken wählen kannst. Wir arbeiten ja auf einer digitalen Zeichenfläche, um den Limitierungen von Stift und Papier zu entkommen. Eine der Limitierungen eines echten Stifts ist seine fixe Strichstärke und seine unveränderbare Farbe. Dein Stylus kann 100 Stifte in einem sein, und die Applikation, die du wählst, sollte das auch ermöglichen. Du solltest also auf Einstellungen achten, die dir erlauben, Farben hinzuzufügen und zu bearbeiten, sowie einen Schieberegler für die Strichstärke statt fester Voreinstellungen.
Zeichenfläche: Größe und Format
Es gibt viele Applikationen, die ausschließlich Whiteboards bzw. Infinite Canvases anbieten. Ich wäre mit dieser falschen Freiheit sehr vorsichtig. Unendliche Zeichenflächen geben zwar uneingeschränkten Platz, aber diese Freiheit kann auch Struktur und Ordnung untergraben. Whiteboards sind gut für Brainstorming, aber wirken sich gegenteilig auf das Schreiben von strukturierten Zusammenfassungen oder Vorlesungsnotizen aus. Dafür brauchst du Seitengrenzen, die dein Gehirn dazu zwingen, die Information zu ordnen und zu komprimieren, bevor du sie auf das Blatt schreibst. Genau das ist, was Lernen fördert, eben weil es kognitiv herausfordernd ist.
Ich würde IMMER eine Applikation mit Seiten über einer App mit unendlichen Zeichenflächen wählen. Whiteboards sind nette Ergänzungen, aber sollten nicht deine einzige Option sein. Besonders beim Arbeiten mit PDFs oder beim Exportieren deiner Notizen sind Seiten wichtig. PDFs sind seitenbasiert, und um sie korrekt darzustellen und zu nutzen, brauchst du eine seitenbasierte Applikation. Das ist eigentlich ein No-Brainer. Außerdem können deine Notizen nur dann sinnvoll wieder als PDF exportiert werden, wenn sie in Seiten unterteilt sind. Ich bezweifle, dass du deinen Kolleg:innen eine einzelne gigantische Seite an Notizen schicken möchtest. Das solltest du im Hinterkopf behalten, wenn du nach Applikationen suchst.
Notizen bearbeiten
Wie vorher bereits beschrieben, ist die Möglichkeit, das bereits Gezeichnete zu bearbeiten, einer der wichtigsten Aspekte von digitalen handschriftlichen Notizen. Das ist, was den Notizprozess von einem starren, linearen Vorgang zu einem dynamischen kreativen Prozess macht. Und genau das ist der Grund, warum digitale Handschrift analoger Handschrift überlegen ist. Die App, die du verwendest, muss dir diese Freiheit geben und sie dir intuitiv und schnell zugänglich machen.
Du solltest alles, was du jemals in der App geschrieben hast, auswählen und transformieren können. Dazu gehört es, deine Notizen zu verschieben, ihre Größe zu ändern, Farben zu ändern und sie willkürlich zu kopieren und zu duplizieren. Und ich möchte nochmal betonen: Es ist nicht nur wichtig, dass diese Funktionen existieren, sondern dass sie leicht zugänglich sind. Du solltest auswählen und sofort mit ein oder zwei Fingern deine Auswahl skalieren und rotieren können. Wenn du ein gezeichnetes Element auswählst, egal ob Striche, Formen oder Linien, solltest du ihm jede beliebige Farbe geben können. Das ermöglicht es dir, deine Notizen jederzeit so abzuändern, dass sie das, was in deinem Kopf passiert, besser abbilden. Wenn das gut umgesetzt ist, fühlt es sich an, als würdest du in einer uneingeschränkten und intuitiven Umgebung arbeiten. Wenn das schlecht umgesetzt ist, verzichtest du auf einen der größten Vorteile von digitalen handschriftlichen Notizen.
Der beste Weg, deine App in diesem Bereich zu testen, ist ganz einfach: Spiel herum! Wenn du mit allem, was du auf die Zeichenfläche gezeichnet hast, machen kannst, was du willst, und dich in keiner Weise eingeschränkt fühlst, hast du eine gute Notiz-App gefunden!
Die Bibliothek
Bis jetzt haben wir nur das tatsächliche Schreiberlebnis beleuchtet, aber es ist genauso wichtig, wie die App in Sachen Organisation, Zugänglichkeit und Sicherheit mit deinen Notizen umgeht. Du wirst auf deiner handschriftlichen Reise Mengen an Text ansammeln, die nicht zu unterschätzen sind. Und wenn du deine Notizen nicht mehr findest, verlieren sie ihren Wert.
Die Applikation, die du verwendest, sollte eine eigene Seite zum Organisieren aller Notizbücher haben – eine Bibliothek. Eine Bibliothek ist keine Raketenwissenschaft, aber eine Sache muss es geben. Wenn deine App es dir nicht erlaubt, Ordner zu erstellen, wirst du früher oder später zwischen deinen Notizen untergehen. Ordner sind fundamental, um deine Notizbücher thematisch zu strukturieren. Du solltest einfach Ordner erstellen können und beliebig Elemente in sie hinein- und aus ihnen herausziehen können.
Außerdem ist eine Suchfunktion empfehlenswert. Manchmal vergisst man einfach, wo man ein bestimmtes Notizbuch abgelegt hat, und es über den Namen finden zu können, ist ein kleines, aber feines Feature. Die restlichen Funktionen einer Bibliothek betrachte ich als selbstverständlich. Dazu gehören Notizbuch- und Ordnernamen, einfache Navigation, Sortiermodi und Farb-Tags.
Design – Das letzte Puzzlestück
Wenn all diese Punkte abgehakt sind, fehlt noch eine Sache, und du kannst sie von der allerersten Interaktion mit einer App an spüren und sehen. Das Design. Bei einer Applikation geht es nicht nur um die Anzahl der Funktionen, sondern vor allem darum, ob Funktionen leicht zugänglich und verwendbar sind. Ob ein App-Design gut oder schlecht ist, musst du für dich selbst entscheiden. Aber ich möchte, dass dir der Einfluss bewusst ist, den das App-Design auf dich und deine Notizen hat. Denn er ist groß!
Es ist genau wie mit deinem echten Schreibtisch. Wenn er chaotisch ist und du die Informationen oder Werkzeuge, die du brauchst, nicht findest, wirst du zurückgehalten. Wenn deine Werkzeuge sortiert sind und du blind weißt, wo sie liegen, wirst du zu einer Produktivitätsmaschine. Das Gleiche gilt für Software-Applikationen und trennt gute Apps von schlechten Apps. App-Designer:innen müssen stets die Balance finden, dir Werkzeuge so zugänglich wie möglich zu machen, dir aber gleichzeitig nicht deinen Bildschirmplatz zu verbauen. Das ist nicht zu unterschätzen, und wenn du das Gefühl hast, dass eine App einfach nicht zu dir passt, dann verwende sie nicht. Am Ende muss eine Notiz-App ein Raum sein, in dem du deinen Fokus findest. Sie sollte ästhetisch, schlicht und einfach sein.
Schlusswort
Selbst dieser Guide ist nicht vollständig. Es fehlen noch ein paar Themen, aber ich denke, du bist jetzt mit einer guten Basis ausgestattet, um eine fundierte Entscheidung über dein Hardware-Setup und deine Software-Applikation für handschriftliche Notizen auf Windows zu treffen.
Und nicht vergessen: Deine Notizen sind wertvolle Texte. Die Aufgaben, die du mit deinen Notizen erledigen möchtest, sind wichtig. Sonst hättest du diesen Blog nicht bis ans Ende gelesen. Du solltest dich nicht mit mittelmäßigen Lösungen zufrieden geben – such das Gerät und vor allem die App, die wirklich zu dir passen! Ich bin sicher, du wirst sie finden, und wünsche dir eine spannende Notizreise für dein Studium oder deine professionelle Karriere!
-Lukas
Co-Founder und Geschäftsführer von Noteastic
Quellen
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Mueller, P. A., & Oppenheimer, D. M. (2014). The pen is mightier than the keyboard: Advantages of longhand over laptop note taking. Psychological Science, 25(6), 1159–1168. https://doi.org/10.1177/0956797614524581 ↩
-
Kenny, R., & Schroeder, E. E. (1994). The integration of learning strategies in interactive multimedia instruction. Proceedings of Selected Research and Development Presentations at the 1994 National Convention of the Association for Educational Communications and Technology. ERIC Document ED373770. https://files.eric.ed.gov/fulltext/ED373770.pdf ↩
-
Osugi, K., Ihara, A. S., Nakajima, K., Kake, A., Ishimaru, K., Yokota, Y., & Naruse, Y. (2021). Advantage of handwriting over typing on learning words: Evidence from an N400 event-related potential index. Frontiers in Human Neuroscience, 15, 679191. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8222525/ ↩
-
Project Encephalon. (2021). Hand and pen: A match made in heaven. https://www.projectencephalon.org/post/hand-and-pen-a-match-made-in-heaven ↩
-
Van der Weel, F. R., & Van der Meer, A. L. H. (2024). Handwriting but not typewriting leads to widespread brain connectivity: A high-density EEG study with implications for the classroom. Frontiers in Psychology, 14, 1219945. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1219945 ↩